Kapitän Kenyan Price wie sein Team am Boden. In der Nachspielzeit gab es den Knock-out für die Löwen. Foto: Joachim Mentel
Die dritte Herrenmannschaft des TSV 1860 München musste sich im Nachholspiel gegen den TSV Ebersberg durch einen Lucky Punch in der Nachspielzeit mit 3:4 geschlagen geben und ist damit seit vier Partien ohne Punkte. Die Tore für die Löwen erzielten Nicolas Barth, Rafael Peinado Garcia und Kenyan Price.
Es begann für die Sechzger nach Maß. In der 2. Minute konterten sie über die rechte Seite. Kenyan Price legte fast von der Grundlinie den Ball zurück Richtung Elfmeterpunkt, wo Nicolaus Barth zum Abschluss kam und ins linke untere Eck zum 1:0 traf. Aber es kam noch besser. Nach einem langen Ball der Löwen aus der eigenen Hälfte wollte Stefan Niedermaier das Spielgerät per Kopf zurück auf seinen Torhüter Lukas Schmidmaier verlängern, doch der stand schon fast an der Strafraumkante. So wurde die Rückgabe zur Vorlage für Rafael Peinado Garcia, der durchgelaufen war und die Kugel nur noch ins verwaiste Tor zum 2:0 einschieben musste (8.). Ebersberg zeigte sich keineswegs geschockt, berappelte sich wieder und kam in der 18. Minute zum Anschlusstreffer. Der schnelle Moritz Eglseder hatte sich auf der linken Seite durchgesetzt, flankte über 1860-Keeper Timo Schober hinweg an den zweiten Pfosten, wo der eingelaufene Nikita Posmashnyi ungestört zum Abschluss kam und die Kugel versenkte. Das war auch der Pausenstand. Bitter für die Sechzger, dass sich beide Torschützen schon früh verletzten. Für Nicolas Barth ging es schon nach 20 Minuten nicht mehr weiter, Rafael Peinado Garcia musste in der 39. Minute für Cornelius Fichtner Platz machen.
Die 2. Halbzeit begann für die Sechzger äußerst schlecht. Die „Eber“ machten Druck, Stürmer Timo Ludwig, der für Nicolas Barth gekommen war, brachte bei einer Klärungsaktion im eigenen Strafraum den flinken Jonathan Kisungu, der von rechts in die Mitte gequert war, zu Fall und Schiedsrichter Yannick Eberhardt zeigte sofort auf den Elfmeterpunkt (50.). Benedikt Schmidmaier lief an, traf mit Hilfe des linken Innenpfostens zum 2:2 (51.). Drei Minuten später hatten die Gäste die Partie endgültig gedreht. Einen Eckball von links brachte Florian Obermair an den zweiten Pfosten, wo Simon Wiener relativ unbedrängt zum Kopfball hochstieg und zum 3:2 für Ebersberg einnickte (54.). Im Anschluss wechselte 1860-Coach Perica Anusic zweimal, brachte mit Ihor Yarovoi und Salif Boubacar zwei frische Kräfte für die Offensive (57.). In der 64. Minute belohnten sich die Sechzger mit dem Ausgleich. Erneut machte der Gästekeeper keine gute Figur, als er den auf ihn zulaufenden Kenyan Price anschoss. Der Ball prallte vom Löwen-Keeper Richtung Ebersberger Tor, wo er ihn nur noch über die Linie zum 3:3 befördern musste. In der Schlussphase schien Daniel Deis den Punkt für die Weiß-Blauen zu retten, als er im letzten Moment mit einer Grätsche gegen Moritz Eglseder im Sechzehner zur Ecke klärte (81.). Doch in der vierminütigen Nachspielzeit nahm das Verhängnis seinen Lauf. Abwehrchef Marco Gröschel musste verletzt und entkräftet vom Feld, fehlte im Zentrum. Dort kam nach einem Angriff über rechts Moritz Eglseder im Strafraum aus dem Gewühl zum Abschluss, traf aus elf Metern ins linke untere Eck zum 4:3 für die Gäste (90.+3). Kurz danach wurde es stockdunkel auf dem 6er-Platz. Ratlosigkeit auf beiden Seiten. Nach knapp einer Minute ging das Flutlicht wieder an und der Unparteiische setzte die Partie fort. Doch an der Niederlage konnten die Amas nichts mehr ändern.
Trainer Perica Anusic sprach von einer „sehr, sehr bitteren Niederlage, besonders nach der 2:0-Führung. Wir hatten danach sogar noch eine hundertprozentige Chance durch Daniel Dies, um das 3:0 zu machen.“
Der 42-Jährige war gegen Ebersberg von seiner Grundidee nach drei Niederlagen in Folge abgewichen. „Wir wollten defensiv in einem 3-6-1 gutstehen und den Gegner kommen lassen, um aus der zweiten Reihe mit den beiden Zehnern Nici Barth und Rafa Garcia uns Chancen zu erarbeiten.“ Das Konzept ging zu Beginn weitgehend auf, bis sich eben die beiden Torschützen verletzten. „Der Gegner war zwar dominant, konnte sich aber keine großen Chancen erarbeiten.“
Neben den Verletzungen sei auch mitentscheidend gewesen, dass er Marco Gröschel in der Schlussphase habe runternehmen müssen. „Es war ein körperlich sehr betontes Spiel, alle sind viel gelaufen und Marco kam erst aus dem Urlaub.“ Ihm hätte die körperliche Fitness gefehlt, aber der Trainer konnte und wollte auf ihn als Abwehrchef nicht verzichten. Das sei auch in den letzten Wochen das große Problem, weil immer wieder Spieler durch Urlaub, Arbeit oder Verletzung fehlen. „Zuletzt konnte sich keine Stammelf einspielen, wir sind zudem nicht fit genug, um gegen solch physisch starke Gegner bis zum Schluss dagegenzuhalten“, findet der Trainer. „Außerdem werden wir die kindischen Fehler nicht los, zerbrechen unter Druck. Viele Sachen, wie der völlig unnötige Elfmeter gegen uns, sind nicht erklärbar. Da fehlt auch die Konzentration.“
Die Löwen-Dritte hat in der Kreisliga mit 36 Treffern die meisten Tore geschossen, liegt aber in der 40er-Liga nur auf Platz 20. Das könne einfach nicht sein, findet Perica Anusic. „Das müssen wir jetzt erst mal schlucken und schauen, dass wir einmal mehr aufsteigen als Fallen“, sagt der Coach und hofft, dass er beim nächsten Auswärtsspiel beim SV Weichs am 8. November wieder mehr Alternativen im Kader hat.
STENOGRAMM
Herren Kreisliga München, 8. Spieltag, Samstag, 29.10.2026, 20 Uhr
TSV 1860 München III – TSV Ebersberg 3:4 (2:1)
Tore
1:0 Nicolas Barth (2.), 2:0 Rafael Peinado Garcia (8.), 2:1 Nikita Posmashnyi (18.), 2:2 Benedikt Schmidmaier (51., Foulelfmeter), 2:3 Simon Wiener (54.), 3:3 Kenyan Price (64.), 3:4 Moritz Eglseder (90.+3)
Gelbe Karten
Jeffrey Ebert, Timo Ludwig, Marco Gröschel, Cornelius Fichtner – Simon Wiener, David Volkmann
Zuschauer
110 Sportanlage St.-Martin-Straße
Schiedsrichter
Yannick Eberhardt (München); Assistenten: Mario Nätscher (München), Fetah Zymeri (München)


